Wer leben lernen will, muss sterben lernen. Das ist die harte Kante, auf der alles zerbricht oder neu wird. Ich habe mir den Tod nicht ausgesucht. Er hat mich gefunden. Kein Event, kein Workshop. Totenbücher, außerkörperliche Erfahrungen, Nahtoderlebnisse, Menschen, die vor mir gegangen sind. Das sind keine Bücher, die man liest. Das sind Passagen, durch die man läuft. Ein Prozess, der mich nicht losgelassen hat. Der mich verwandelt hat. Nicht verbessert. Zerlegt und neu zusammengesetzt. Der spirituelle Weg geht nicht zuerst nach oben. Er geht hinab. Wie Orpheus in den Hades. In die Stille. In das Nichts. In den Tod. Was ich dort erkannt habe, lässt sich nicht rationalisieren. Es ist keine Theorie. Es ist eine Erfahrung. Die esoterische Szene verkauft euch den Weg nach oben. Alles glattgebügelt, alles angenehm. Der Tod wird poliert, bis er harmlos wirkt. Das ist die Lüge. Die Wahrheit ist: Die meisten weichen der Sterblichkeit ihr ganzes Leben aus. Sie erfinden Techniken, Systeme, Rituale – nur um dieser einen Angst nicht ins Gesicht zu schauen. Wer dem Tod nicht begegnet ist, hat noch nicht angefangen zu leben. Der Rest ist dekoratives Seinschaufenster.
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